E951 — Aspartam
Auch bezeichnet als: Nutrasweet · Canderel · Süßstoff
Aspartam ist der am besten untersuchte Süßstoff überhaupt. Die beiden Gremien, die ihn zuletzt bewertet haben, kamen zu Ergebnissen, die sich zu widersprechen scheinen — es aber nicht tun. Frela bewertet ihn nach der IARC-Einstufung von 2023 vorsorglich als hohes Risiko und sagt gleichzeitig klar: die Behörden haben ihre Grenzwerte nicht geändert.
Auf einen Blick
- E-Nummer
- E951
- Klasse
- Süßungsmittel
- Herkunft
- Synthetisches Dipeptid aus Asparaginsäure und Phenylalanin
- EU-Status
- Zugelassen; Hinweis „enthält eine Phenylalaninquelle“ vorgeschrieben
- Duldbare Tagesdosis
- 40 mg pro kg Körpergewicht und Tag (EFSA 2013, 2023 von der JECFA bestätigt)
- Typisch enthalten in
- Light-Getränke, zuckerfreier Kaugummi, Joghurt light, Tafelsüße, manche Medikamente
Was es tatsächlich ist
Aspartam ist ein Dipeptid — zwei Aminosäuren, Asparaginsäure und Phenylalanin, verbunden und mit einer Methylgruppe versehen. Es süßt rund 200-mal stärker als Zucker, weshalb winzige Mengen genügen und praktisch keine Kalorien anfallen, obwohl es wie Eiweiß verstoffwechselt wird.
Im Körper zerfällt es vollständig in Asparaginsäure, Phenylalanin und eine geringe Menge Methanol. Alle drei kommen in normalen Lebensmitteln vor; ein Glas Tomatensaft liefert mehr Methanol als eine Dose Light-Cola.
Warum der Phenylalanin-Hinweis auf der Packung steht
Auf europäischen Etiketten muss stehen, dass das Produkt eine Phenylalaninquelle enthält. Das ist kein allgemeiner Warnhinweis. Er richtet sich an Menschen mit Phenylketonurie (PKU), einer angeborenen Stoffwechselstörung, von der in Europa etwa eines von 10.000 Neugeborenen betroffen ist und bei der Phenylalanin nicht abgebaut werden kann.
In Deutschland wird jedes Neugeborene im Rahmen des Screenings darauf getestet. Für alle anderen hat der Hinweis keine praktische Bedeutung.
Die Einstufung von 2023, richtig gelesen
Im Juli 2023 veröffentlichten zwei WHO-Gremien am selben Tag zu Aspartam — und die Berichterstattung warf beides durcheinander. Die IARC stufte Aspartam als Gruppe 2B ein, möglicherweise krebserzeugend, gestützt auf begrenzte Evidenz aus wenigen Beobachtungsstudien zu Leberkrebs. Die JECFA bestätigte am selben Tag den ADI-Wert von 40 mg pro kg Körpergewicht und fand keine überzeugenden Belege für Schäden bei realistischer Aufnahme.
Das sind Antworten auf verschiedene Fragen. Die IARC betreibt Gefahrenidentifikation: könnte ein Stoff unter irgendwelchen Umständen Krebs verursachen? JECFA und EFSA betreiben Risikobewertung: ist das bei den tatsächlich verzehrten Mengen wahrscheinlich? Gruppe 2B ist eine breite Kategorie, in der sich auch Aloe-vera-Blattextrakt und traditionell eingelegtes Gemüse finden.
Zur Einordnung: Ein Erwachsener mit 70 kg müsste etwa neun bis vierzehn Dosen eines typischen Light-Getränks täglich trinken, um den ADI zu erreichen. Die meisten regelmäßigen Konsumenten liegen weit darunter.
Warum Frela trotzdem hoch bewertet
Frelas Zusatzstoff-Skala ist bewusst vorsichtiger als ein behördlicher ADI. Ein ADI beantwortet die Frage „ist das bei normaler Aufnahme sicher“ — und die Behörden haben sie mit Ja beantwortet. Frelas Bewertung beantwortet eine andere: „wie viel ungeklärte Besorgnis hängt an diesem Stoff?“
Eine Gruppe-2B-Einstufung der IARC ist per Definition ungeklärte Besorgnis. Frela macht diesen Vorsorgemaßstab lieber transparent, als die Einstufung stillschweigend zu ignorieren. Wer diese Einschätzung nicht teilt, findet auf dieser Seite alles, um sich selbst ein Urteil zu bilden.
So bewertet Frela ihn
Frela bewertet E951 als hohes Risiko, wodurch die Zusatzstoff-Komponente auf ihren Tiefstwert fällt. Da nach dem schlechtesten Zusatzstoff bewertet wird, holt ein Light-Getränk diese Komponente auch mit sonst unauffälliger Zutatenliste nicht zurück.
Trotzdem schneidet ein Light-Getränk insgesamt oft besser ab als die gezuckerte Variante, weil die Nährwert-Komponente — nach den offiziellen Nutri-Score-Tabellen — stark auf Zucker reagiert. Frela entscheidet nicht für Sie, ob Zucker oder Süßstoff der bessere Kompromiss ist; es zeigt beide Effekte getrennt, damit der Kompromiss sichtbar wird.
Häufige Fragen
Hat die WHO gesagt, dass Aspartam Krebs verursacht?
Nein. Ein WHO-Gremium (IARC) nannte es möglicherweise krebserzeugend auf Basis begrenzter Evidenz — eine Aussage über die Gefahr. Ein anderes WHO-Gremium (JECFA) bestätigte gleichzeitig den sicheren Aufnahmewert — eine Aussage über das reale Risiko. Beides gilt weiterhin.
Ist Aspartam schlechter als Zucker?
Beide versagen unterschiedlich. Zucker hat bei gewohnheitsmäßigem Konsum gut belegte Effekte auf Zahngesundheit, Energiedichte und Stoffwechselwerte. Aspartam hat eine vorsorgliche Einstufung und keinen belegten Effekt bei normaler Aufnahme. Frela bewertet beides und zeigt die Komponenten getrennt, statt einen Sieger auszurufen.
Zerfällt Aspartam beim Erhitzen?
Ja, deshalb wird es kaum zum Backen verwendet — es verliert Süßkraft, wird aber nicht gefährlich. Die Abbauprodukte sind dieselben Aminosäuren, aus denen es besteht.
Quellen
- WHO — Ergebnisse der Gefahren- und Risikobewertung zu Aspartam (Juli 2023)
- EFSA — Neubewertung von Aspartam (E951) (2013)
- IARC Monographs Band 134 — Aspartam, Methyleugenol, Isoeugenol
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